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Ein Querdenker hat's nicht leicht

Frieding (30. April 2004) – Liegt es daran, dass sich in einer Zeit, wo Begriffe wie Handy, Cluster, Server, Skateboard oder Modem zum ganz normalen Sprachgebrauch gehören, die Menschen wieder nach heimatlichen Gefühlen sehnen? Oder ist es gar Zufall, dass in jüngster Zeit längst verstorbene Originale wieder entdeckt und historische Werke neu aufgelegt werden? Wie beispielsweise von Bally Prell, Oskar Maria Graf oder aber auch von Georg Queri, der am heutigen Freitag 125 Jahre alt geworden wäre. Geboren wurde Queri am 30. April 1879 in Frieding.
Leicht hat es der Lokal- und Gerichtsreporter der „Münchner Neuesten Nachrichten“ und später dann Chefredakteur beim „Starnberger Land- und Seebooten“, nie gehabt. Plagte ihn doch seit frühester Jugend ein Leiden, das er sich bei einem Unfall zugezogen hatte. Ständiger Begleiter Queris war außerdem akuter Geldmangel. Dennoch hat sich der Sohn eines Friedinger Gastwirtsehepaares weder klein noch mundtot machen lassen. Mit seinen umfangreichen volkskundlichen Sammlungen, „Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern“ und „Kraftbayrisch“ geriet er gar ins Visier er bayerischen Polizei und der Staatsanwaltschaft. Unter „Unzucht oder Wissenschaft?“ untersuchte der Historiker und Autor Michael Stephan den Prozess um das Buch „Kraftbayrisch“. Stephan: „Georg Queri legte mit Kraftbayrisch den, zugegeben, deftigen Ertrag seiner langjährigen volkskundlichen Recherchen vor, wobei er den Leuten im wahrsten Sinn des Wortes aufs Maul geschaut hat.“ Der Prozess, der nach der ersten Veröffentlichung vor dem Königlichen Landgericht München I folgte, wurde erst durch das couragierte Eintreten bedeutender Zeitgenossen, darunter auch Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma, zugunsten von Queri entschieden. Thoma schrieb damals: „Aus Prüderei, denn die Sittlichkeit hat mit diesem ganzen Aufpassertum nicht das mindeste zu tun, eine Sammlung alter und neuer Kraftworte, die immer wieder im Volke entstehen, unterdrücken, heißt wirkliche Volkskunde verbieten.“ Die laut Zensurbeirat der Polizeidirektion München „unzüchtige Schrift“ wurde schließlich frei gegeben und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse aufgebürdet. Queri starb im November 1929.

Hier, in diesem Haus in Frieding (Gemeinde Andechs) wurde Georg Queri geboren.

Gasthof "Zum Queri" in Frieding - In diesem Haus in Frieding (Gemeinde Andechs) wurde Georg Queri geboren. Heute beherbert es ein uriges Lokal mit Biergarten und Fremdenzimmer.


Vor dem Haus steht... - zur Erinnerung an diesen Heimatdichter und Querdenker eine Bronzestatue


...mit Gedenktafel: ....... - In diesem hause wurde der Dichter Georg Queri am 30. April geboren. Er liebte Land und Leute.


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