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Georg Queri - Wie ein Dichter im Bratwurst Glöckl "bezahlte"
Im Leben Georg Queris (1879-1919), einer der bedeutendsten bayerischen Mundartdichter, gab es eine lange Zeit, in der er noch nicht berühmt war und entsprechend wenig verdiente. Um in seinem Stammlokal, dem Bratwurst Glöckl, dennoch nicht hungern und dürsten zu müssen, fand er zwei Wege: Er dichtete für die Gäste und für das Gästebuch, meist unter dem Pseudonym "Egidius Pfanzelter" und ließ sich seine Leistungen mit Naturalien honorieren.
Oder tarockte sich seine Zeche zusammen, was meistens der Fall war. Geschröpft wurden in erster Linie der Karikaturist und Zeichner Olaf Gulbransson und der Schriftsteller Ludwig Thoma. Brenzlig wurde es für Queri, wenn er seine Weißweinschorle von seinen Zechkumpanen zwar hereintarockt hatte, aber noch das Geld für die Heimfahrt nach Starnberg fehlte. Dann mußte der Wirt Georg Zehnter herhalten. Hatte Georg Queri Pech im Spiel, legte er sich einfach auf das Ledersofa in der Gaststube und schlief den Schlaf des Verlierers.
Quelle: Bratwurstglöckl München

Das Bratwurstglöckl.... - in München


Amouröses Abenteuer hat Folgen

Frieding/Starnberg (Februar 2004) – Nicht selten wird die so genannte Obrigkeit Spielball närrischer Frotzeleien. Doch relativ harmlos machen sich die Späßchen von heute gegenüber denen aus, die unsere Urgroßväter so über sich ergehen lassen mussten. Da war noch das „Ausspielen“ Tradition und wehe demjenigen, der Mittelpunkt solch’ einer Stegreifkomödie geworden war. Von einem Ereignis, das sich vor etwa 120 Jahren in Starnberg zugetragen hatte, berichtet der Friedinger Schriftsteller Georg Queri (1879 bis 1919):
Einem so genannten Starnberger Subalternbeamten (untergeordneter Staatsdiener) wurden seinerzeit etliche amouröse Abenteuer nach gesagt. Eine gute Vorlage, für ein Stegreifspiel, das sich ein angesehener Hofbauer für das Fasnachtspiel in den Kopf gesetzt hatte. Er baute einen Zigeunerwagen, möblierte diesen, spannte seine Ochsen davor und zog mit seinem Gesinde durch das Dorf Starnberg. Kam er an einem zentralen Platz an, machte er Halt. Die Leute aber stauten sich, um einen Blick in den Karren zu werfen. Dort vergnügte sich der als Beamter verkleideter Hofbauer mit einer lasterhaften Gespielin, eine Rolle, die der Freund des Ökonomen übernommen hatte. Ziel des Umzugs sollte letztendlich das Haus des verspotteten Beamten sein. Doch bis dahin kam die Gesellschaft nicht. Inzwischen hatte die Polizei Wind von der Sache bekommen und versuchte nun, mit aller Gewalt das Spiel zu beenden. Zwar schafften es die Gendarmen nicht, sich gegen die protestierende Menge durchzusetzen. Zumindest aber konnten sie die Weiterfahrt verhindern. Die agierenden Komödianten jedoch schoben den Karren in den Georgenbach und waren so durch das eiskalte Wasser vor dem Zugriff der Polizei geschützt. „Der Fall hätte sich beinahe zum Landfriedensbruch ausgewachsen, nachdem man bereits von Tutzing Verstärkung der Polizeimacht hatte einfordern müssen; der angesehene Hofbauer erhielt in der Folge einen vollen Monat Gefängnis zudiktiert“, überlieferte Queri in seinem 1911 veröffentlichten Werk „Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern“. Uli Singer

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