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Beim QUERI in Frieding

Frieding (2004) – Schenkelklopfen erlaubt, hieß es am Donnerstag im Gasthof „Zum Queri“ in Frieding. Rund 130 Gäste, die zur Lesung aus dem neuen Georg Queri-Buch „1879 – 1919, Journalist, Schriftsteller und Volkskundler aus Oberbayern“ gekommen waren, glaubten ihren Ohren nicht zu trauen. Vom Vögeln war die Rede, von Schickserln und Bixerln und von etlichen anderen Sauereien mehr. Dabei wirkte der sexistische Ausflug ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts durchaus nicht peinlich und schon gar nicht ordinär. „So war halt die Zeit damals“, fasste es ein Gast zusammen. Die Lust auf die schönste Nebensache der Welt und das Drumherum wurde nicht lange umschrieben sondern direkt und unverblümt mitgeteilt. „Vögl langsam, vögl langsam, vögl net aso gwschwind, wann’s tröpflt, muaß er aussa, sunst machst mir a Kind.“
Hervorragend Schauspieler Bernhard Butz, der Queris Texte, Lieder und Schnurren vortrug, als wären sie seiner eigenen Feder entsprungen. Unter anderem rezitierte er aus „Bauernerotik und Bauernfeme in Oberbayern“, (1911), „Kraftbayrisch - Wörterbuch der erotischen skatologischen Redensarten der Altbayern“ (1912), aus den „Die weltliche Gesängen des Egidius Pfanzelter von Polykarpszell und aus „Die Schnurren des Rochus Mang“ (1910). Ein repräsentativer Querschnitt, der, zusammen gestellt von Michael Stephan, im neuen Lesebuch zu finden ist. Aber auch weitere, unbekannte Seiten von Queris Lebensgeschichte werden aufgeblättert. Es findet sich eine umfangreiche Auswahl interessanter Briefwechsel und Dokumente und diverse Gutachten, die anlässlich des Prozess um das staatliche Verbot der Wörterbuchs „Kraftbayrisch“ erstellt wurden.
Das Lesebuch, ein einzigartiges Zeitdokument, das im Buchendorfer Verlag als Begleitbuch für die zur Zeit im Staatsarchiv stattfindenden Queri-Ausstellung erschienen ist. Auf 266 Seiten gibt es Einblick in das Schaffen eines Mannes, der nur 40 Jahre alt wurde und dessen Wegbegleiter zeitlebens eine widerborstige Obrigkeit und ein leeres Portemonnaie waren. Da das Lesebuch nur in einer Auflage von 1000 Stück gedruckt wurde, empfiehlt sich ein baldiger Zugriff. Uli Singer


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