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SCHLOSSBERGHALLE STARNBERG

Starnberg – Mögen es die Starnberger dem Heimatschreiber Georg Queri nie verziehen haben, dass er ihnen das Attribut „protzig“ angehängt und den Starnberger See als „Protzensee“ bezeichnet hatte? Oder fällt es gar unter die Rubrik Zufall, dass gleich zwei Veranstaltungen, die Stadtarchivar Wolfgang Pusch anlässlich Queris 125. Geburtstags in der Starnberger Schlossberghalle organisiert hatte, weitgehend ignoriert wurden. Wie schon vor zwei Wochen der Schauspieler Bernhard Butz mussten jetzt auch Bettina Mittendorfer und Gertrud Danner vor einem handverlesenen Publikum spielen. Schade, denn mit Mittendorfer, die das Schauspiel studiert und bereits mit Sigi Zimmerschied und Herbert Achternbuch zusammen gearbeitet hat, stand eine Queri-Interpretin par Excellanze auf der Bühne. Sie meisterte souverän sämtliche Hürden und selbst die derbsten Stellen aus „Kraftbayrisch“ bekamen durch Mittendorfers natürliche Präsentation einen Hauch von Normalität. Sie sang von unkeuschen Pfarrern, „von der Dirn ihra Britschn und am Knecht seim Klachl“ oder vom Vogel Hirnpecker, der bei der einfältigen Dirn da herumpickt, wo bestimmt kein Hirn zu finden ist. Das Publikum zeigte sich fasziniert statt peinlich berührt. Wobei Mittendorfer den Vorteil nutzt, kein Mann zu sein. „Brächt’ ein Mann viele dieser Texte zu Gehör, ich bin überzeugt, einige Leute würden den Saal pikiert verlassen“, sagte Pusch. Stattdessen gab es viel Applaus für Mittendorfers Schauspielkunst, die von einer Rolle in die andere hüpfte, sang, tanzte und parodierte. Mit Getraud Danner an der Seite und der sicheren Inszenierung von Jörn van Dyck hat sich das Wagnis Queri gelohnt. Uli Singer

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