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SCHLOSSBERGHALLE STARNBERG

Starnberg – „Wir spielen, wenn im Publikum mehr Leute sitzen als auf der Bühne“. Eine Regel, die in Künstlerkreisen Priorität hat. Glück also für die 13 Gäste, dass sie am Freitag im großen Saal der Starnberger Schlossberghalle den neun Akteuren, zwei Sprechern und sieben Musikanten, zahlenmäßig überlegen waren. Stadtarchivar Wolfgang Pusch hatte anlässlich des 125. Geburtstags von Georg Queri zum Queri-Abend eingeladen. Glück für das Publikum insofern, als dass mit Bernhard Butz ein Interpret auf der Bühne saß, dem die Texte von Georg Queri auf den Leib geschnitten scheinen. Der Schauspieler rezitiert sie nicht nur, er lebt sie. So intensiv, dass sich der geneigte Zuhörer ein wahres Bild vom harten Leben des Friedinger Querdenkers machen kann. Butz greift nicht zu Weichspülern, die aus des Autors umfangreichem und vielfältigem Repertoire lediglich lustige und gefällige Texte sondieren. Putz nennt die Dinge beim Namen, so wie es auch Queri getan hat und es von seinen Nachfahren erwartet hätte. Dem Volk aufs Maul geschaut hat er auf der Straße und in Wirtshäusern, und da herrscht nun mal ein rauer Ton. So wird in der Liebe nicht von Koitus oder gar von einem zärtlichen Vorspiel gesprochen, gevögelt wird und man kommt auch schnell zur Sache. Ein Irrtum also, wer annimmt, früher sei alles viel sittsamer und romantischer zugegangen. Zitierte doch schon der angesehene Sprachwissenschaftler Andreas Schmeller Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem „Bayerischem Wörterbuch“, das Queri mitunter als Vorlage für sein Werk „Kraftbayrisch“ (1912) hergenommen hatte, die Aussage eines Garmischer Mädchens über ihre Entjungferung: „Da bin ich met’n Schreina in Tochlberg außi ganga, da hat a mih an Bohn ani gleggd, an Rock aufghöbb und aso a langs Drumm in Bauch eini gschobb – Bua, des hat weah toa!“ Verblümtes und Unverblümtes trug Butz vor, ohne jemals in peinliche Gefilde abzurutschen. Dazu steuerte Michael Stephan, Autor des „Queri-Lesebuches“, biografische Daten des mit 40 Jahren verstorbenen und in Starnberg beigesetzten Schriftstellers bei. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der „Hochberghauser Tanzlmusi“.

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