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Georg Queri gestorben (21.11.1919)

Autor: Susanne Tölke
Redaktion: Petra Herrmann

Ein Lehrer, der heutzutage sowas in seiner Zeugnisbemerkung schreibt, kriegt sofort eins aufs Dach, aber damals, in der guten alten Zeit, durften Lehrer noch ganz ungebremst ihre Meinung sagen. Über Georg Queri, den Schüler der sechsten Klasse, urteilte sein Klasslehrer folgendermaßen: „Er ist gewandt, aber nicht sorgfältig im Kleinen, sozusagen ein rascher Wurstler, reif, vielleicht auch in des Wortes unsympathischer Bedeutung.“ Das klingt fast so, als hätte er schon damals in der Schule einige Kostproben seines Wissens gegeben, das er später in seinem erotischen Wörterbuch veröffentlichte. Vielleicht war er auch nur nicht folgsam genug.

Belegt ist jedenfalls, dass er später wegen Aufmüpfigkeit das Priesterseminar verlassen musste. Er wurde Journalist, schrieb für den „Starnberger Land- und Seeboten“ und für die „Münchner Zeitung“. Seine Artikel über Bauernstreitigkeiten vor Gericht und Wildererprozesse waren so urwüchsig geschrieben, dass er schnell eine treue Lesergemeinde fand. So richtig berühmt wurde er dann mit seinem Wörterbuch „Kraftbayerisch. Die erotischen und skatologischen Redensarten der Altbayern“. Sogar das Landgericht München I interessierte sich dafür. Und was entdeckten die Richter?

„Wann der Hirsch in der Brunft is,
na macht er a Gschrei,
aba unser Herr Pfarrer,
der bet d Litanei.“

Nicht schön, aber nicht direkt unsittlich. Leider war schon das nächste Gstanzl recht eindeutig:

„Und as Fensterln is sündhaft ,
und i wers nimmer doa,
und bald Köchin in der Stadt is,
schlaft der Pfarrer alloa.“

Nach diesem Einstieg ging´s aber erst richtig los. Queri hatte Redensarten gesammelt, die an Derbheit und Unappetitlichkeit vor nichts zurückschreckten. Das Wörterbuch wurde beschlagnahmt. Erst nachdem der Jurist Ludwig Thoma den volkskundlichen Wert der Sammlung nachgewiesen hatte, durften es die Buchhandlungen wieder verkaufen. Queri aber hatte inzwischen schon ein neues Thema gefunden- die Geschichte des Haberfeldtreibens. Unter dem Titel „Bauernfehme in Oberbayern“ trug er Geschichten zusammen, die sich im Oberland zugetragen hatten, und die recht deutlich zeigten, dass die Haberer sich für ihr Treiben besonders gern die Schwachen aussuchten, von denen keine Rache zu befürchten war. Bauernhöfe, auf denen eine ledige schwangere Magd diente, wurden von den Haberern so lange heimgesucht, bis die Magd mit Schimpf und Schande davongejagt wurde. Dem Bauern, der sie geschwängert hatte, passierte gar nichts.

Georg Queri bewies mit diesem Buch, dass er mehr im Sinn hatte als nur die Verklärung des deftigen Altbayern – er war ein durchaus ernsthafter und kritischer Patriot. Dass er daneben auch erfrischenden Blödsinn schreiben konnte, zeigt sein Heldengesang über den tapferen Kolumbus. Der fährt nämlich nur deshalb nach Amerika, weil seinem Kaiser der Tabak ausgegangen ist.

Sagt der dapfer Kolumbus:
„Nix zum Raucha is arm,
ih wer aufs Amerika
hinteri fahrn“.
„Juche!“ schreit d´Frau Kaiserin,
„dees is a Idee,
so roas nur grad umi,
ich brauch an Kafeh!“
Sagt der dapfer Kolumbus:
„Is recht und is guat,
ich brauch bloß a Schifferl,
wo numschwimma tuat“.

Den leichten Humor hat er sich erkämpfen müssen: Als Kind brach er sich im Turnsaal den Hüftknochen. Von da ab wanderten die Knochensplitter durch seinen Körper und führten immer wieder zu eitrigen Entzündungen. Am 21. November 1919 ist er, gerade 41 Jahre alt, an einer Bauchfellentzündung gestorben.

© Bayerischer Rundfunk 2003


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