StartseiteBAYRISCHER KALENDER

Frieding – Mit dem Monat Dezember schließt die Serie „mit Queri durchs Jahr“. Viele gute Ratschlage und Kalenderweisheiten wurden dem 1913 erschienenen „Bayrischer Kalender“ entnommen. Und auch im letzten Monat des Jahres wartet der in Frieding geborene Georg Queri (1879 bis 1919) mit überliefertem und heute oft vergessenem Bauernwissen auf. Empfiehlt er doch schon im Vorwort: „Und so ist trotz aller fragwürdigen Nebenerscheinungen der richtige Bauernkalender wohl auch dem Städter zum Studium empfohlen.“
Nun zum Dezember, der laut Queri reich an geheimnisvollen Ereignissen ist. Den ledigen Mädchen beispielsweise rät er, sich in der Thomasnacht (29. Dezember) vor dem Schlafengehen nackt auf einen Schemel vor dem Bette zu knien und folgendes Gebet zu sprechen: „Bettschemel, ich tritt dich, heiliger Thomas, ich bitt dich, lass mir den Herzallerliebsten Meinen erscheinen.“ Im Schlafe dann wird sich ihr der Zukünftige vorstellen.
In Acht nehmen sollten sich am Weihnachtsabend die am Ort ansässigen Hexen. Sie sind leicht zu entlarven. Wer sich auf Hexenjagd machen möchte, braucht sich bloß aus neunerlei Holz einen Schemel bauen und während der Christmette auf ihm knien. Wird die Wandlung vollzogen, sieht er alle Hexen des Ortes verkehrt herum auf ihren Kirchenbänken knien. Dem Entdecker jedoch sei geraten, sich nach der Kommunion augenblicklich auf den Heimweg zu machen und den Schemel zu verbrennen. Andernfalls nämlich, so Queri, richten ihn die Hexen elendig zu.
Ein Tipp noch für Spieler: Wer sich in der Christnacht aus dem Ast eines Leichenbrettes einen Würfel schnitzt, der kann mit diesem nie verlieren.
Im Anhang ans Kalendarium mit Merkregeln und Wettersprüchen erzählt Queri etliche Hexen- und Trudengeschichten, die allesamt ein Fünkchen Wahrheit beinhalten sollen. „In meiner ausgedehnten bäuerlichen Verwandtschaft – im Starnbergerseegebiet – ist der Glaube an Hexen und Truden einfach nicht ausrottbar. Diese Hexen flechten den Pferden nachts Zöpfchen in die Mähne, sie machen, dass die Kühe blutige Milch geben oder die Hühner keine Eier legen. Meine Mutter stellt vor dem Schlafen gehen einen Besen verkehrt vor die Türe, dass die Trud’ nicht herein kann. Es ist mir, dem Sohne, nicht möglich, diese Anschauungen restlos zu bekehren.“
Eine Ausstellung zum Thema Queri findet derzeit im Heimatmuseum in Starnberg statt. Mehr über den Journalist, Schriftsteller und Volkskundler aus Frieding ist auch im Internet unter www.georg-queri.de nachzulesen. Uli Singer

Queris Gedanken zum September
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