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Frieding - Der Monat Oktober wird laut Georg Queris „Bayerischer Kalender“ von 1913 auch Weinmonat genannt. Darum, weil er die Traube vom Stock in die Kelter liefert. „Nun gibt’s den süßen Most, der, im Übermaß genossen, den Stein bringen soll“, warnte der Friedinger Schriftsteller (1879 – 1919) vor einem allzu tiefen Blick ins Glas.
Über das, was Feld und Garten in diesem Monat geben, sei einiges aus der bäuerlichen Hausmedizin erzählt: das späte Gras auf dem Felde ist dem Vieh nicht mehr gut; es macht nur volle Bäuche und gibt keine Kraft. Rüben sind jetzt dem Menschen eine bekömmliche Nahrung, wann sie gekocht sind; sie fördern das Harnen und reinigen die Haut. Vom Rettich berichtet Queri, dass er jetzt nur nach dem Essen mit Salz genossen werden sollte. Behauptet werde außerdem, dass er Schlangebisse heile und dass ein Skorpion, auf den man einen Rettich legt, sterben muss, und dass der, den ein Skorpion gestochen hat, durch Rettichessen geheilt wird.
Apropos Skorpion, der als Sternzeichen ab dem 23. Oktober gilt: „... in diesem Zeichen Geborene sind sehr scharfsinnig, verschlagen, listig, zornig, rachgierig, nachdenklich, heimlich, stille, beredt. Sie haben viel Sorgen, doch mehr in der Jugend, denn im Alter. Sie sind geizig, genau, karg und immer auf ihren Vorteil bedacht.“
Im Oktober sei auch ein besonderes Fest erwähnt, die Kirchweih. Da gibt’s Gesottenes, Gebratenes und Gebackenes drei Tage lang: „Drei Täg, drei Täg dauert da Kirta, Sunnta, Mahta und an Irta!“
Weniger bekannt jedoch dürfte der „Tag der Siemanndlbruderschaft“ sein, der laut Kalender an St. Simonis und Judä (28. Oktober) stattfindet. Der Siemanndl ist eine liebevolle Umschreibung des Pantoffelhelden. „Ein Tag, der nur in wenigen Häusern gefeiert wird“, stellte Queri bereits vor 90 Jahren fest.
Ein ganzes Kapitel widmete er dem Thema: „Aus dem Gebaren des Geflügels die Witterung zu erkennen.“ Die Luft will schön und trocken werden, wenn die Raben des Morgens träge auf den Bäumen sitzen und den Schnabel gegen die Sonne zu aufsperren; wenn die Holztauben sich oft hören lassen; wenn die Habichte hoch in der Luft spielen; wenn die Nachtigall gegen ihre Gewohnheit oft singt. Regen und Ungewitter wird zu erwarten sein, wenn die Krähen baden, der Zaunkönig plötzlich lustig aus den Gebüschen flattert oder die Spatzen ungewöhnlich frech werden.

Queris Gedanken zum März
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