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Frieding – Sollte noch kein ausreichend Bestand an „Maiwürmchen“ gesammelt sein, wird es allerhöchste Zeit. Laut Georg Queris (1879 – 1919) Bauernkalender von 1903, der allerdings nur noch als Rarität zu finden ist, lässt sich aus ihnen ein Allheilmittel herstellen. Wobei die Maiwürmchen vorsichtig samt Blatt, auf dem sie sich tummeln, gesammelt und in Honig eingelegt werden müssen. Nach geraumer Zeit ist das Wurmöl fertig. Auf keinen Fall die Würmchen mit bloßen Händen ergreifen, sagt Queri, da sie ansonst wertvolle Flüssigkeit ausstoßen, die für den Heileffekt vonnöten sind. Aufgetupft heilt die Mixtur fast jede Krankheit am Vieh, aber auch den Biss eines Hundes am Menschen.
May kommt von Maja, des Merkurius Mutter, erklärt Friedings berühmtester Sohn. Kaiser Karl der Große habe dem Mai zusätzlich das Attribut Wonnemonat verpasst, weil nämlich in diesem Monat die Sonne in die Zwillinge geht, was gleichbedeutend mit doppelter Lust und Freude ist. „Kinder, die im Sternzeichen der Zwillinge geboren sind... sind gute Einnehmer und schlechte Zahler. Sie erwerben viel Geld, aber es bleibt nicht lange bei ihnen. Sie verbergen den Zorn und drehen den Mantel nach dem Winde.“
Auf der Hut sein müssen die Bauern am Abend vor Philippe Jakobi (26. Mai). Dann nämlich haben es die Hexen auf das Vieh abgesehen. Sie suchen nach jeder Gelegenheit, ihm zu schaden. Dagegen hilft, wilden Knoblauch fein zu schaben und mit Mehl und Honig vermengt dem Vieh unters Futter zu mischen. Auch ist es gut, glühende Kohlen an die Stalltüre zu legen, an denen sich einschleichende Hexen die Füße verbrennen werden. „Früher“, wusste Queri, „hat man sich auch mit Prügeln in den Hinterhalt gestellt; aber es ist nicht gut, gegebenenfalls einen Ahnungslosen, der von ungefähr an das Kammerfenster schleichen will, der Teufelei verdächtig zu halten und darum durchzuwalken“ (siehe dazu Illustration von Paul Neu).
In seinem illustren Ratgeber hat Queri auch den Anhängern der Freikörperkultur gedacht: Um sich für den Rest des Jahres fit zu halten, sollte man am frühen Morgen nackt im feuchten Maigras baden. Wem dies noch nicht genügt, dem empfiehlt der Heimatschreiber, den Maitau in einem Glas zu sammeln, dieses gut zu verkorken und dann für vier Wochen lang in einen Ameisenhaufen vergraben. Queri: „Hilft er nix, so schad’t er nix.“ Uli Singer

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