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Frieding – „Wer nun nicht gehet mit dem Rechen, wann die Mucken und die Bremsen stechen, der muss sich im Winter nehmen derweil, und umfragen, wo ihm Heu und Stroh feil“, ist im längst vergriffenen „Bayrischen Kalender“ von 1913 für den Monat Juli nachzulesen. Die Empfehlung stammt aus der Feder des Friedinger Heimatschriftsteller und „Kalendermanns“ Georg Queri, der auf rund 90 Seiten allerlei Bauernweisheiten, G’schichtln und Wetterprognosen aufgeschrieben hat. Der Juli ist der große Monat der Kräutersammler; da blühen unter anderem die Meisterwurz, der Majoran, Wermut, Wolfswurz und die Teufelsmilch. Außerdem beginnen am 23. Juli die Hundstage. „Es ist töricht, anzunehmen, dass diese Tage allein darum ihren Namen haben, dass nun die Hunde gerne in die Wutkrankheit verfallen“, schreibt Queri. Die Tage sind vielmehr nach dem Hundsstern benannt, der den Astrologen für so manche Prophezeiung herhalten muss. Geht er nämlich trübe auf und ist auch der Beginn der Hundstage trüb, fürchtete man früher böse Seuchen. „Hundstage hell und klar, deuten auf ein gutes Jahr.“
Am 23. beginnen nicht nur die Hundstage, es geht auch die Sonne in den Löwen über. „Im Löwen ist gut Häuser bauen und in Häuser ziehen“, empfiehlt der Autor. Jedoch solle man sich davor hüten, neue Kleider anzulegen.
„Kinder in diesem Sternzeichen geboren, haben eine Neigung zu Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Wahrheit und haben ein ehrliches, redliches Gemüt. Sie trachten nach großen Dingen und haben bei hohen Herren Glück.“ Im Juli soll außerdem der Wein mit Wasser vermischt werden. „Es sollen aber solches nicht die Verkäufer tun, sondern die Trinker“, mahnt Queri.
Ob es sich bei der Juli-Illustration um „Das untreue Deandl“ oder um die heilige Magdalena handelt, die denjenigen Unglück bringt, die an ihrem Namenstage auf Bäume klettern oder zum Bade gehen, ist nicht überliefert. Dafür hat Queri noch einen Juli-Spruch unter der Vignette „Merk’s Mensch!“ parat: „Des Badens, Weins und aller Arznei, fauler Fisch und der Venus enthalt dich frei, Ysop und Rautensaft genieß, auch Fenchel, Salbei und Anis.“
Im Übrigen gibt Queri, der auch als Journalist arbeitete, Einblick in das Pressewesen der damaligen Zeit: „Die Aufklärungsarbeit der Tagespresse läuft auf matten Füßen. Sie ist überlastet durch Partei und Programm. Die Furcht vor dem Kulturkampf basiert auf der Furcht vor einer starken Minderung des Abonnentenstandes. Und mit gewichtigen Gründen dirigiert das Inserat mit.“ Uli Singer

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